Mauerfall: DDR verhaftete noch NACH der Grenzöffnung Flüchtlinge!

Neue historische Erkenntnisse über die Nacht des Mauerfalls!

Während bereits Hunderte Ost-Berliner an den Grenzübergängen in den Westen gelassen wurden, verhafteten DDR-Grenztruppen noch Flüchtlinge. Das fand der Historiker Gerhard Sälter (57) von der Stiftung Berliner Mauer heraus. Im Bundesarchiv in Koblenz entdeckte Sälter einen Lagebericht der DDR-Grenztruppen. Darin sind drei gescheiterte Fluchten kurz vor 23 Uhr am 9. November 1989 dokumentiert.

Bewaffnete DDR-Grenzer nahmen demnach um 22.55 Uhr, 2200 Meter südwestlich von Wendehausen (Thüringen), den damals 31-jährigen Hans-Jürgen S. und die 23-jährige Dagmar K. aus Erfurt fest. Die beiden wollten durch den Todesstreifen von Thüringen nach Hessen in die Bundesrepublik flüchten.

Die dritte Verhaftung wird nur wenige Hundert Meter neben der Bornholmer Straße in Berlin verortet, wo die Grenze in dieser Nacht zuerst geöffnet wurde. Der damals 33-Jährige Reinhard S. aus dem Ost-Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg wollte um 22.59 Uhr aus der S-Bahn heraus in die BRD flüchten. „Der Täter beabsichtigte die Staatsgrenze zu Berlin (West) im Bereich der Justbrücke zu durchbrechen“, heißt es im Lagebericht aus dem Bundesarchiv.

Historiker Gerhard Sälter zu BILD: „Der Aktenfund zeigt, dass in der Nacht des 9. November gegen 23 Uhr das DDR-Grenzregime trotz der ersten Löcher in der Mauer noch immer vorschriftsmäßigen Dienst versah. Besonders beachtlich ist, dass um diese Zeit sogar noch wenige Hundert Meter von der Bornholmer Straße ein Flüchtling verhaftet wurde.“

Auch nach der weiteren Grenzöffnung in den Tagen danach bestand das DDR-Grenzregime weiter. Es gab sogar noch Bestrebungen, die Grenze weiter auszubauen.

Gerhard Sälter: „Der DDR-Verteidigungsminister gab erst am 21. Dezember 1989 den Befehl, den weiteren Ausbau der Grenzanlagen in Berlin und an der innerdeutschen Grenze zu stoppen – zu einer Aufhebung des Grenzregimes konnte er sich jedoch noch nicht durchringen.“

Immerhin setzte der DDR-Minister die Anweisung zum Schießen auf Flüchtlinge erneut und diesmal dauerhaft außer Kraft. Die DDR-Grenztruppen waren aber weiterhin verpflichtet, „die Unverletzlichkeit der Staatsgrenze jederzeit zu sichern“ – was auch immer das bedeuten sollte.

Erst im Januar 1990 schlug der amtierende Staatsratsvorsitzende Gerlach vor, die Mauer „durch eine weniger schroffe Markierung des Grenzverlaufs zu ersetzen“, und der Ost-Berliner Oberbürgermeister Krack wollte einen Zaun an ihrer Stelle errichten.

Ice.T.AgeDogramsesgerku@live.de

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